Was ist Gewaltfreie Kommunikation (GFK) und brauchen Sie das?

Häufig bekomme ich bei Gewaltfreier Kommunikation die Reaktion zu hören: „Das brauche ich nicht, ich schlage mein Kind nicht!“ „Was soll das sein, kann man auch gewaltvoll kommunizieren?“.

Woher kommt die GFK?

Die Gewaltfreie Kommunikation wurde von dem US-amerikanischen Psychologen und Mediator Marshall B. Rosenberg entwickelt. Das Ziel der Gewaltfreien Kommunikation ist es eine authentische Interaktion zu schaffen, in der die Bedürfnisse aller Beteiligten erfüllt werden.

Gewaltfreie Kommunikation beginnt mit einem authentischen und mitfühlenden Auseinandersetzen mit sich selbst und den eigenen Bedürfnissen. Für mich gehört sie ins Kinderzimmer, den Kindergarten und die Schule, sowie ins Büro, in unsere Partnerschaften und in den Austausch mit allen Menschen, denen wir begegnen.

Kennen Sie das? 

Sie vergleichen sich mit anderen?
Sie leugnen Ihre Verantwortung und geben dem anderen die Schuld?
Sie glauben, es sei Ihre Aufgabe zu kochen, weil es für Sie als Frau und Mutter dazugehört?
Sie stecken andere Menschen sofort in Schubladen oder fühlen sich moralisch überlegen?
Sie stellen Forderungen, sagen aber höflich „Bitte“?
Sie können dem Drang Schokolade zu essen, nicht widerstehen?

Das ist ein kleiner Einblick in die „lebensentfremdende Kommunikation“ (Marshall B. Rosenberg), also Kommunikation, die zur Gewalt gegen uns selbst und anderer beiträgt. Hierzu gehören moralische Urteile fällen, Verantwortung leugnen, Vergleiche und Forderungen anstellen. 

Wie genau funktioniert Gewaltfreie Kommunikation? Wie können Sie das üben?

Eines der „Zauberwörter“ der Gewaltfreien Kommunikation ist Empathie. Zu unterscheiden ist zwischen Empathie für mich selbst (Selbstempathie) und Empathie für andere. Empathie bezeichnet die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen. Oftmals fällt uns das sehr schwer und gleichzeitig brauchen wir gerade (Selbst-) Empathie sehr häufig. Wie oft bekommen Sie ungefragt einen Rat, bekommen eine Lösung für Ihr „Problem“ präsentiert oder werden damit abgespeist, dass es anderen viel schlimmer gehen würde als Ihnen…

Wie kann man die Gewaltfreie Kommunikation in die Psychologische Beratung integrieren?

In der Psychologischen Beratung ist die Gewaltfreie Kommunikation nach Marstall B. Rosenberg eine Möglichkeit unter vielen, an der Kommunikation und der (Selbst-) Empathie zu arbeiten. Gewaltfreie Kommunikation kann einerseits als Haltung und/oder als ein Werkzeug zum Üben gesehen werden. Sie lernen zuzuhören, Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Einfühlung zu schenken! Für sich selbst und für andere! 


Praktizieren Sie die 4 Schritte der Gewaltfreien Kommunikation

Die Gewaltfreie Kommunikation erfolgt in vier Schritten. Zuerst wird eine Beobachtung geäußert, dann Gefühle und Bedürfnisse identifiziert und schließlich konkrete Bitten formuliert. 

  • Im 1. Schritt der Beobachtung geht es darum, dass Sie eine nicht-wertende neutrale Haltung einnehmen und diese wertfrei und konkret formulieren.

  • Im 2. Schritt sprechen Sie aus, wie Sie sich gerade fühlen. Sind Sie gerade traurig oder wütend? Vielleicht sind Sie irritiert oder erschrocken?

Der Vorteil hierbei ist, dass Sie über sich selbst sprechen und nicht die Gedanken und Gefühle des Gegenübers interpretieren. Es ist wichtig, Eigenverantwortung zu übernehmen, 

  • Damit Sie im 3. Schritt Bedürfnisse erkennen, akzeptieren und diese mitzuteilen. Hierbei ist es unerlässlich Auslöser und Ursache zu trennen. 

  • Im 4. Schritt äußern Sie Bitten, was Sie in dem Moment brauchen. Diese Bitten können an Sie selbst oder speziell an eine andere Person gerichtet sein, und zwar in Form einer Verständnis-, einer Handlungs- oder Verbindungsbitte. 

Konkret könnte das sein:

  1. „Magst du mir sagen, was bei dir angekommen ist?“ (Verständnisbitte)

  2. „ Bist du bereit..?“ (Handlungsbitte)

  3. „ Wie geht es dir damit, was ich gesagt habe? (Verbindungsbitte)

Praktische Beispiele Gewaltfreier Kommunikation zur Unterscheidung von:

  1. Beobachtung vs. Bewertung

„Johann hat gestern seine Hausaufgaben nicht gemacht.“ vs. „Johann ist faul, gestern hat er schon wieder seine Hausaufgaben nicht gemacht.“

„Stefan hat mich während des Meetings nicht um meine Meinung gebeten.“ Anstatt „Stefan ist ein arroganter Idiot, der nur an seiner Meinung interessiert ist!“

  1. Gefühle adäquat ausdrücken

„Ich bin traurig und frustriert!“ statt „Ich fühle mich missverstanden! Du machst mich wahnsinnig!“

  1. Bedürfnisse erkennen, akzeptieren und Eigenverantwortung übernehmen

„Ich bin traurig darüber, dass du nicht zum Essen kommst, weil ich gehofft hatte, wir könnten den Abend zusammen verbringen!“ Anstelle von „Dir ist deine Arbeit wichtiger als ich!“

  1. Bitten vs Forderungen

„Bist du bereit, den Müll runterzubringen?“ statt „Immer muss ich alles allein machen, du könntest auch mal den Müll runterbringen. Mach das jetzt mal!“

Wenn sich jemand negativ äußert, haben Sie grundsätzlich vier Möglichkeiten, diese Aussage aufzunehmen: 

  1. Sich selbst die Schuld geben,

  2. Andere beschuldigen,

  3. Ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen

  4. die Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen, die in der Negativaussage des anderen verborgen sind. 

Sie wollen konfliktfreier mit Ihrem/Ihrer Partner*in sprechen?
Sie wünschen sich einen wertschätzenden Umgang mit Ihren Arbeitskollegen? 
Sie wollen Ihre Kinder bedürfnisorientiert erziehen?
Sie möchten Ihre Beziehungen vertiefen?
Sie wollen wertfrei und mitfühlend mit sich selbst umgehen?
Sie wollen Verhandlungen diplomatisch führen?
Sie möchten aufhören, ein „Nein“ direkt persönlich zu nehmen?
Sie wollen lernen, Ärger adäquat auszudrücken?

Dann steigen Sie mit mir auf das GFK-Tanzparkett und wir erarbeiten in vier Schritten konkrete Lösungen für Ihre Problem- und Konfliktsituationen!

Aktuell befinde ich mich in der Weiterbildung zur Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation. In Kürze gebe ich auch Workshops zu verschiedenen Themen der GFK und freue mich darauf, Sie hier zu sehen und Sie auf diesem Weg zu unterstützen!